Neckargartach im Mittelalter

 
767 In einem Schenkungsbuch der Klosters Lorsch taucht erstmals der Name Gardaha auf
 
800 Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom durch Papst Leo III.
 
814 nach dem Tode Karls regiert sein Sohn Ludwig der Fromme (bis 840). Durch die Nachgiebigkeit Ludwigs gegenüber der Kirche und dem Adel entsteht ein Rückgang der Zentralmacht des Frankenreiches
 
843 Reichsteilung: Im Vertrag von Verdun wird das Reich Karl des Großen unterteilt in ein Mittel-, Ost- und Westreich. Kaiser Lothar I. (840-855) erhält das Mittelreich mit den Kaiserstädten Aachen und Rom. Ludwig, der Deutsche (843-876) das Ostfrankenreich und Karl II., der Kahle (843-877) das Westfrankenreich zugesprochen
 
919 Heinrich I. wir zum König von Franken und Sachsen gewählt. Erstmalige Verwendung des Namens "Reich der Deutschen". Er führte heftige Kämpfe gegen die Dänen, Ungarn und heidnische Slawen zwischen Elbe und Oder
 
936 Ernennung Otto I. (Sohn Heinrichs) zum König
 
962 Krönung Ottos (des Großen) vom Papst zum Römischen Kaiser
 
1024 Auf die sächsischen Ottonen folgte mit Konrad II. die fränkischen Salier, die das Reich nach Osten und West erweitern
 
1096 Beginn der Kreuzzüge (1096-1099, 1147-1149, 1189-1192, 1202-1204, 1218-1229, 1248-1254, 1270). Die von dem Araber Mohammed in Mekka 630 gegründete Religion des Islam wurde zur Bedrohung für Byzanz. Da sich auch die heiligen Stätten des Christentums in Jerusalem in den Händen der Araber befanden, rief Papst Gregor VII. zum Kreuzzug auf. Das Ziel der Kreuzzüge, den Islam niederzuwerfen, wurde jedoch nicht erreicht und scheiterte an den nationalen Interessen der beteiligten Ritterschaften. Folge der Kreuzzüge waren die Gründung von Ritterorden (Johanniter und Deutscher Orden)
 
1066 Nach der siegreichen Schlacht bei Hastings wurde England von französischen Normannen unterworfen. Auf Wilhelm den Eroberer (1066-1087 König von England) folgten bis 1272 mehrere Könige, darunter der dänische Wikinger Knut der Große. Aus angelsächsischen und normannisch-romanischen Elementen auf keltischer Grundlage formte sich die englische Nation ab 1125 Deutsches Reich der Staufer-Könige (bis 1190)
 
1158 Regierungsbeginn Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Unter ihm erreichte die Stauferzeit ihre Blüte in Baukunst, höfischer Ritterkultur und Wissenschaft
 
1161 In einer Kaiserurkunde findet sich erstmals der ganze Namen unseres Ortes – Neggar-Gardaha –
 
1215 Magna Charta (libertatum) in England: König Johann ("ohne Land") verbriefte das Widerstandsrecht der Barone gegen den englischen König. Die Magna Charta gilt als Grundstein der englischen Verfassung
 
1227- 1254 Erbitterter Machtkampf der Staufer mit dem Papsttum, der mit dem Tod des Stauferkönigs Friedrich II. im Jahre 1250 endet. Sein Tod beendet gleichzeitig die Stauferepoche
 
um 1200 Beginn der Inquisition, der Verfolgung von Menschen, die von den katholischen Glaubenssätzen abwichen, als Ketzer sowie deren Folterungen und Verbrennungen. Im Laufe der Zeit mehrere Millionen Opfer
 
1273 Rudolf I. von Habsburg wird König des Deutschen Reiches (bis 1291)
 
1323 Das Bistum Worms belehnt Neckargartach an die Herren von Weinsberg. Diese teilen sich die Herrschaft mit der Heilbronner Patrizierfamilie Feurer
 
1339 der Hundertjährige Krieg Frankreichs mit England, der mit Unterbrechungen bis 1453 dauerte. Er wurde ausgelöst durch Erbansprüche Eduards III. an den französischen Thron und endet mit der wirtschaftlichen Ausblutung beider Länder
 
1341 Engelhard von Weinsberg verkauft wegen einem Streit mit der Familie Feurer den Ort Neckargartach als Unterlehen an die Stadt Heilbronn für 1.200 Pfund Heller
 
Um 1350 Beginn der Blütezeit der Hanse, ein Zusammenschluß nordeuropäischer, vorwiegend deutscher, Städte, zur Sicherung von Handel und Schifffahrt. Die Kolonisation des Ostens steigerte den Warenaustausch. Die Städte erhielten Selbstverwaltungsrechte und damit starken politischen Einfluß. Es wurden Verkehrsverbindungen ausgebaut, so daß sich auch der Landhandel über die Landesgrenzen hinweg entwickeln konnte. Neben dem feudalistischen Adelsstand entwickelt sich allmählich das Bürgertum
 
1356 Die goldene Bulle regelt die Königswahl durch drei geistliche und vier weltliche Reichsfürsten. Krönungsort war von 936 bis 1531 Aachen, dann Frankfurt
 
1399 Neckargartach erleidet eine schwere Heimsuchung, als es beim Streit des Schleglerbundes mit dem Grafen von Württemberg mitten im Frieden überfallen und niedergebrannt wird. Durchziehende württembergische Reiter raubten Rinder, Schafe, Schweine, Gänse, Enten und Hühner und warfen die Brandfackel in Scheunen und Ställe.
 
1410 Niederlage des Deutschen Ritterordens gegen ein polnisch-litauisches Heer bei Tannenberg. Niedergang nach hoher wirtschaftlicher und kultureller Blütezeit im 14. Jahrhundert
 
1441 Die Herrschaft Weinsbergs geht an die Kurpfalz über
 
1449 Neckargartach erleidet großen Schaden im sogenannten Städtekrieg
 
1453 endet das oströmische Reich Byzanz nach über tausend Jahren durch türkische Eroberung. Die Türken drangen nach der Eroberung auf den Balkan vor. Die Folge der Eroberung von Byzanz war die Flucht vieler Gelehrter nach Italien. Sie brachten das Gedankengut des griechischen Altertums mit und begründeten so die Wiedergeburt der Antike, die italienische Renaissance
 
1481 Höhepunkte der Inquisitionen
 
1493-1519 versucht Maximilian I. der inneren Zerrüttung des Deutschen Reiches durch einen "Ewigen Landfrieden" zu begegnen. Er zeigte starkes Interesse an bürgerlicher Wirtschaft und Technik, förderte die aufkommende Artillerie und trug dazu bei, das Ritterwesen zugunsten der Landsknechte (mit Musketen bewaffnete Fußsoldaten) zurückzudrängen
 
1504 Herzog Ulrich von Württemberg erobert im Krieg die pfälzischen Besitzungen und erhielt damit auch die Lehensherrschaft über Neckargartach. In der Folge wurde Neckargartach Heilbronner Herrendorf und teilte fortan als Vorwerk bewehrt mit Mauer, Zaun, Graben und drei Tortürmen das Schicksal der Reichsstadt.
Das Erste Tor stand an der Frankenbacher Straße (beim Pfarrhaus), das zweite an der Wimpfener Straße und das dritte in der Böckinger Straße (beim Gasthaus "Zur Rose"), wo der Buschelgraben (Burggraben) vom Leinbach zum Neckar führte. Er wurde nach dem Uferland am Neckar "Wörtturm" genannt. Die Kirche war als sogenannte Wehrkirche mit einer Schutzmauer umgeben, von der noch ein Teil steht. Die Befestigung Neckargartachs war aber nicht stark genug, um Angreifer lange aufzuhalten.
 
1517 Martin Luther verkündet seine 95 Thesen
 
1524 + 1525 Ein Teil der Bauern fordert eine Neuordnung der Herrschafts- und Vermögensverhältnisse auf Basis des Evangeliums. Die Folge war der Aufstand der Bauern (Symbol: Bundschuh) und einiger Städte in Süd- und Mitteldeutschland 24 Neckargartacher eilten zu den Fahnen der Bauern. Die Anführer waren aus der näheren Umgebung: Florian Geyer, die Schwarze Hofmännin und Jäklein Rohrbach aus Böckingen. Zu ihnen stieß der Neckargartacher Hans Weller als Trommler. Er war auch bei der Weinsberger Bluttat dabei und trommelte, geschmückt mit dem Barett und bewehrt mit dem Schwert des Grafen von Helfenstein, als dieser Spießruten laufen mussteJäcklein Rohrbach (*1490 in Böckingen), einer der wilden Anführer im Bauernkrieg wurde, nach der Niederlage der Bauern durch den Schwäbischen Bund bei Böblingen, auf der Flucht bei Asperg aufgegriffen und in Neckargartach am 21. Mai
 
1525 im Weidach (Weidenbäumle) an eine Weide gekettet bei lebendigem Leib langsam und qualvoll zu Tode geröstet
 
1548 + 1550 Die isolierte, strategisch wenig geschützte Lage vor den Toren der stark befestigten Stadt Heilbronn und an der Grenze dreier Kleinstaaten (Württemberg, Baden und Kurpfalz) gelegen, brachte es mit sich, dass die Bevölkerung in Kriegszeiten oft furchtbar litt: Heilbronn schloss seine Tore und überließ seinen Vorort dem Wüten der Feinde. So überfielen 1548 und 1550 raubende und plündernde spanische Truppen das Dorf und hausten darin beutegierig. Diese Truppen blieben vier Monate in Neckargartach und im Winter 1550 überfielen erneut Spanier den Ort und raubten ihn aus
 
1626 Neckargartach wird von einer pestartigen Seuche (wahrscheinlich Flecktyphus) heimgesucht
 
1664 Am 23. Februar erleidet Neckargartach erneut eine Brandnacht. Durch Unvorsichtigkeit sprühen aus einem noch gluthaltenden Backofen des Melchior Pfau Funken und entzünden Stroh. 21 Häuser und Scheunen brennen ab. Zu dieser Zeit hatte Neckargartach knapp 500 Einwohner
 
1675 Immer wieder fielen französische Truppen in der Pfalz ein und verwüsteten das Land. Unter Ludwig XIV. forderte der in Philippsburg stationierte Kommissar La Coupillière die Heilbronner Dörfer zu Kontributionsleistungen auf. Weil sie diesen nicht sofort nachkamen, überfielen im August, morgens um 3 Uhr, 500 französische Reiter Neckargartach und hausten fürchterlich, plünderten und legten Feuer. Bauern, die löschen wollten, wurden erschossen
Der 43-jährige Pfarrer Daniel Zückwolf, der kniefällig um die Verschonung seines Dorfes bat, wurde beim Schafhaus durch "Hieb, Stich und Schuss" ermordet. Wieder brannten 57 Häuser, 43 Scheunen samt Frucht und 14 Ställe mit allem Vieh ab. Rossgeschirr, Wagen, Karren, Fässer, Kessel, Flaschen, Säcke, Tuch, Mäntel und Kleider wurden geraubt, Rebstöcke ausgerissen und Bienenstöcke zerstört
 
1693 Anlässlich des Pfälzischen Erfolgekriegs, in dessen Verlauf der berüchtigte französische General Mélac auch das Heidelberger Schloss zerstören ließ, hausten die Franzosen beim Rückzug erneut übel in Neckargartach, brandschatzten, rissen das Gestühl aus der Kirche und nahmen die einzige Glocke mit. Die Felder wurden verwüstet